WLAN, das auch hinten im Lager trägt
Ein Router vom Provider und drei Verstärker sind kein Netzwerk. Sie sind der Grund, warum das Kassensystem mittags aussteigt.
Zwölf Uhr. Es ist wirklich fast immer zwölf Uhr.
Von neun bis halb zwölf läuft alles. Dann füllt sich der Laden, und die Kasse verliert die Verbindung. Nachmittags ist wieder Ruhe.
Der Verdacht fällt auf die Kasse, dann auf den Internetanschluss. Beide sind in Ordnung. Der Grund steht draußen vor der Tür und hat dreißig Handys dabei.
Kurzfassung: Alle reden gleichzeitig, und der Lauteste ist der Langsamste.
Warum WLAN ausgerechnet dann abbricht, wenn es voll wird
WLAN ist ein geteiltes Medium: Auf einem Funkkanal kann immer nur ein Gerät gleichzeitig senden. Alle anderen warten. Solange fünf Geräte im Raum sind, merkt davon niemand etwas — bei vierzig wird die Wartezeit spürbar, und zwar zuerst bei dem Gerät, das kurze, regelmäßige Pakete schickt. Also bei der Kasse und beim Kartenlesegerät.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, der vielen unbekannt ist: Ein weit entferntes Gerät funkt langsamer, und weil nur einer gleichzeitig senden kann, bremst es alle anderen mit aus. Ein einziges Handy im Hinterhof kann eine Funkzelle für den ganzen Raum ausbremsen.
Der dritte Punkt sind die Verstärker aus dem Elektromarkt. Ein Repeater empfängt und sendet auf demselben Kanal — er halbiert damit die verfügbare Zeit und belegt zusätzlich den Kanal des Nachbarn. Drei davon in Reihe sind nicht dreimal so gut, sondern deutlich schlechter als einer.
Die Lösung ist selten mehr Leistung, sondern mehr Zellen mit weniger Leistung: mehrere Zugangspunkte, per Kabel angebunden, auf sauber verteilten Kanälen, mit einer Übergabe zwischen den Zellen, die das Endgerät nicht bemerkt. Das kann man messen, planen und danach nachprüfen.
Oben fünf Geräte, unten vierzig — auf demselben Kanal. Die Kasse sendet dieselben winzigen Pakete, wartet aber plötzlich, weil vor ihr achtundzwanzig andere dran sind.
Was dazugehört
Ausleuchtung
Vor Ort gemessen, nicht geschätzt. Danach steht fest, wie viele Zugangspunkte wohin müssen und welche Kanäle frei sind.
Getrennte Netze
Gäste, Kasse, Büro und Technik gehören nicht ins selbe Netz. Die Trennung kostet fast nichts und verhindert viel.
Firewall
Was von außen erreichbar sein muss und was nicht. Mit Protokollen, die im Ernstfall etwas zeigen.
Verkabelung
Wo Kabel möglich sind, sind Kabel besser. Geplant, sauber verlegt, beschriftet — auch für den, der nach mir kommt.
Fernzugriff
VPN für Homeoffice und Außendienst, ohne Ports ins Internet aufzureißen.
Dokumentation
Ein Plan, den auch jemand anderes lesen kann. Auch das ist Teil der Arbeit und nicht der Zusatzposten.
Der smarte Kühlschrank im Pausenraum. Kein Witz.
Warum Gäste und Kasse getrennt gehören
In einem flachen Netz sieht jedes Gerät jedes andere. Das Handy eines Gastes sieht die Kasse, der Fernseher im Wartezimmer sieht den Server, und der smarte Drucker sieht alles. Für einen Angreifer ist das der bequemste Fall: Er muss nur das schwächste Gerät erwischen, nicht das wichtigste.
Die Trennung in mehrere Netze — Gast, Betrieb, Kasse, Technik — kostet bei ordentlicher Hardware keinen Aufpreis, nur etwas Planung. Sie hat außerdem einen angenehmen Nebeneffekt: Das Gastnetz lässt sich in der Bandbreite begrenzen, sodass der Betrieb Vorrang hat.
Und ja, dabei geht es auch um Haftung. Die Störerhaftung für offenes WLAN ist entschärft, das Thema Datenschutz ist es nicht: Ein Gast im selben Netz wie die Patientenverwaltung ist ein Problem, über das man ungern mit der Aufsichtsbehörde spricht.
Links sieht jedes Gerät jedes andere. Rechts sind Gast, Betrieb und Kasse getrennt — dieselbe Hardware, andere Konfiguration.
Fragen zum Netzwerk
Muss ich alles neu machen?
Selten. Meist reicht es, die Struktur zu ordnen und ein paar Stellen zu ersetzen — häufig sind es die Repeater. Was funktioniert, bleibt.
Kann ich Gäste-WLAN anbieten?
Ja, und du solltest es getrennt vom Betriebsnetz tun. Die Störerhaftung ist entschärft, aber ein Gast im selben Netz wie die Kasse bleibt eine schlechte Idee.
Wie lange dauert so ein Umbau?
Die Messung ist ein Termin. Der Umbau selbst hängt an der Verkabelung — meist ein bis zwei Tage, und wenn möglich außerhalb deiner Öffnungszeiten.
Reicht nicht ein besserer Router?
Fast nie. Das Problem ist selten die Leistung des einen Geräts, sondern die Verteilung. Ein stärkerer Sender macht die Zelle größer und damit voller — das verschlimmert genau den Effekt, der stört.
Was kostet eine Messung?
Die erste Einschätzung beim Erstgespräch kostet nichts. Eine vollständige Ausleuchtung mit Plan ist eine eigene Leistung — die lohnt sich erst ab einer gewissen Fläche.